::: Literaturkurier – Neuerscheinungen | Januar 2012
Tendai Huchu Der Friseur von Harare
Roman | Peter Hammer | 280 Seiten | 19,90 Euro

Eigentlich ist die junge Vimbai der Star im chicen Frisörsalon von Harare, der Hauptstadt Simbabwes. Alle wollen von ihr frisiert werden, sogar die Frauen aus der Regierung kommen zu ihr - bis eines Tages ein Mann ihr Konkurrenz zu machen beginnt: Dumisami ist ein außergewöhnlich begabter Friseur, dessen Talent nicht verborgen bleibt. Doch privat geht es ihm weit weniger gut, er braucht eine neue Wohnung und zieht bei Vimbai ein. Kann das gut gehen? - In einem Land, in dem Homosexualität mit Gefängnis bestraft wird, in dem Korruption, Willkürherrschaft und Armut an der Tagesordnung sind, ist ein solcher Roman über die wirklich zählenden Werte eines Menschen ungemein wichtig. Und auch für uns ist die Lektüre ein Gewinn, schließlich ist Tendai Huchus Buch zu alledem spannend und immer mit einer Portion Humor geschrieben. (Aus dem Englischen von Jutta Himmelreich)
Javier Márquez Sánchez Das Fest des Monsieur Orphée
Roman | Walde+Graf | 407 Seiten | 24,95 Euro

Peter Cushing soll in den 1950ern bei der Neuverfilmung des „Frankenstein"-Stoffs die Titelrolle übernehmen und sich dazu von Professor Aberline in das "Grauen an sich" einführen lassen. Doch was passiert? Während der Vorbereitungen taucht ein vom Teufel höchstpersönlich gedrehten Film auf, der fatale Auswirkungen auf alle Zuschauer hat: Da wird das Grauen Wirklichkeit. Nur mühsam kann Cushing seine eigene Haut retten. Doch warum kann die Polizei auf der Filmrolle keine Bilder sehen? Dieser „Kampf gegen das Böse" ist mit vielen Verweisen auf „echte" Filme gespickt, sehr unterhaltsam, flott - und natürlich sehr spannend! Das Buch erscheint in einer wunderschönen, aufwendigen Ausgabe und ist für alle Filmfans ein gruseliges Vergnügen. (Deutsch von Luis Ruby)
Gian Domenico Borasio Über das Sterben. Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen
Sachbuch | C.H. Beck | 207 Seiten | 17,95 Euro

Der Palliativmediziner Gian Domenico Borasio von der TU München möchte mit diesem Buch dazu auffordern, nüchtern, sachlich, angstfrei und auch rechtzeitig auf sein eigenes Lebensende zu blicken und sich darauf vorzubereiten. Bei aller Fachkenntnis, bei allen medizinischen Beschreibungen und Hinweisen fehlt dem Autor jedoch nicht der mitfühlende, warme Ton, den ein solch sensibles Thema verlangt. Leiden und Schmerzen, Nahtoderfahrungen, Sterbehilfe, Angst, Seelsorge oder Hospiz - Gian Domenico Borasio widmet sich vielen Bereichen und gibt mit zahlreichen Literaturhinweisen weitere Lektüreanregungen. Sein Schwerpunkt aber bleibt, und dies merkt man dem Buch auf jeder Seite an, der Wunsch, die Menschen zum Gespräch über den Tod zu bewegen. Denn nur so könne man die Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Lebensende unter guter Betreuung schaffen.
Timothée de Fombelle Vango. Zwischen Himmel und Erde
Jugendbuch (ab 12) | Gerstenberg | 400 Seiten | 16,95 Euro

Ein außergewöhnlich guter Jugendroman, der erste Teil einer Serie, die man schon jetzt feiern darf: Der junge Vango wird von einer Amme erzogen und beschließt im Jahr 1934, als er 19 Jahre alt ist, sich in Paris zum Priester weihen zu lassen. Doch kurz bevor es soweit ist, soll er verhaftet werden - nur durch eine atemberaubende Flucht kann er sich retten. Doch schon jetzt ist klar, dass nicht nur die Polizei hinter ihm her ist, aber warum nur? Vango selbst kennt die Antwort nicht, doch seine Flucht führt ihn quer durch Europa, an Bord eines Zeppelins und schließlich immer näher zu sich selbst. - Ein wirklich turbulenter, mit historischen Verweisen, glaubwürdigen Figuren und großer Spannung erzählter Abenteuerroman. Die vielen originellen Ideen und lebendigen Dialoge begeistern. (Deutsch von Tobias Scheffel und Sabine Grebing)
Albert E. präsentiert: Die große Wissens-Box
Kinderhörbuch (ab 5) | cbj audio | 12 CDs | 19,99 Euro

In einem kleinen Köfferchen kommen sie daher - zwölf Hör-CDs zu den unterschiedlichsten Themen wie „Piraten", „das Universum", „die Tiere im Dschungel", „Grusel, Spuk und Zauberei", „große Erfindungen", „die Ozeane und ihre Bewohner" oder „das Mittelalter". Welches Haustier eignet sich für mich am besten? Was passiert auf einem Reiterhof? Was musste ein Knappe lernen, um einmal ein Ritter zu werden? Der Sprecher Philipp Schepmann liest die Texte, die bei weitem keine vorgetragenen Lexikonartikel, sondern in kindgerechte Geschichten verpackt sind, schon mal witzig frech, kann aber auch ganz ruhig und sachlich die Hintergründe und Zusammenhänge erklären. Und da auch Geräusche eingebaut werden, sind diese CDs rundherum gelungene „bildende Hörunterhaltung".
Rezension
Thierry Paquot Die Kunst des Mittagsschlafs
Sachbuch | L.S.D. (Lagerfeld-Steidl-Druckerei) Verlag | 92 Seiten | 16,00 Euro
DEUTSCHLANDRADIO KULTUR | 02.01.2012
Pieke Biermann hatte offensichtlich viel Vergnügen bei der Lektüre dieses Essays aus der Feder von Thierry Paquot. (Aus dem Französischen von Sabine Dzuck und Melanie Heusel) Er erzählt darin von der vergessenen Tradition der Mittagspause, der Siesta, die auf allen Teilen der Erde jahrhundertelang verbreitet war. Die mittägliche Ruhephase galt (und gilt) im Norden eher noch als dekadent, wohingegen sie im spanischsprachigen Welt Teil des Alltags ist. Thierry Paquot begreift diesen besonderen Moment des Tags als Nachschlag zum nächtlichen Schlaf. Der Autor räumt mit verschiedenen falschen Vorstellungen auf, will aber vor allem die Siesta als Kunst wahrgenommen wissen, die nur mit dem „Charme des Verbotenen" existieren kann. „Die mittägliche Ruhephase, die man schlafend, dösend, tagträumend, sinnend, vielleicht auch mit Sex verbringt, ist „eine ganz und gar ausgefüllte Leerzeit". Ein kreativer, anarchischer Moment der Glückseligkeit", so der Rezensent und schwärmt weiter von diesem „federleichten Galopp durch Jahrhunderte von Bilder- und Denkwelten, durch Physisches und Metaphysisches, Künste und Wissenschaften". mehr »













